Projekt zur Durchführung einer Umweltanalyse bzw. Umweltbilanz an der CAU Kiel 2008/09

Die Universität Kiel ist mit ihrer Mitarbeiterzahl und Anzahl Studierender mit einem Großbetrieb zu vergleichen, der durch Verbrauch von Ressourcen und Energie einen großen Einfluss auf die Umwelt hat. Mit dem Instrumentarium eines Umweltmanagementsystems (nach EMAS oder ISO 14000 ff.) kann das umweltorientierte Handeln gefördert und eine kontinuierliche Verbesserung des Umweltschutzes gesichert werden sowie zu Kosteneinsparungen führen. Für den Aufbau eines UMS bzw. Ökoaudits ist die Umweltprüfung mit der Ermittlung von Umweltaspekten und der Bewertung der Umweltauswirkungen, die von einer Organisation ausgehen, der Einstieg in die Ist-Zustands-Analyse. Das Vorhaben, eine Umweltbilanz bzw. Umweltanalyse an Gebäuden der CAU Kiel durchzuführen, ist zugleich ein Teil dieser Analyse und kann als Modell für die Gesamtverhältnisse an der Universität dienen.

  • Fakultätenblöcke
  • luftaufnahme plan_1
  • Biochemie
  • plan_2

Das wichtigste Auswahlkriterium für die Suche nach repräsentativen Gebäuden der CAU war der Nutzungstyp. Zum einen wurden ein Gebäudekomplex mit einer Büro- sowie Seminar- bzw. Hörsaalnutzung (Fakultätenblöcke, Ls 8+10) und zum anderen ein Gebäude mit überwiegender Labornutzung (Neubau der Biochemie, OHP 9) gewählt. Es wurden für diese Gebäude die Verbrauchsparameter Wärme, Strom und Wasser für 1 Jahr erfasst. Zudem wurden die realen und potentiellen Einflussgrößen ermittelt, bewertet und dokumentiert. Anschließend wurden Stoffstrom- und Energiebilanzen mit einer Statistik nach Werktagen und Wochenenden erstellt. Daraus wurden Prognosen für die Gesamtuniversität und Optimierungsvorschläge erarbeitet.

Im Folgenden einen Auszug davon:

Der Wärmeverbrauch in den Fakultätenblöcken (Baujahr 1972) kann durch eine Verbesserung der Dämmung von Dach, Außenfassade und Fensterbändern sowie das Erneuern der alten Fenster deutlich gesenkt werden. Hierzu gibt es vom GMSH bereits einen Sanierungsplan. Im Neubau der Biochemie (Baujahr 1991) hätte eine noch höhere Dämmung keinen wesentlichen Einfluss auf die Einsparung an Raumwärme, da das komplexe System der Laborklimatechnik eine wichtigere Rolle spielt als der Verbrauch an Raumwärme. Für den Neubau der Biochemie wurde ein verbesserter Sonnenschutz auf der Gebäude-Südseite empfohlen, wodurch bei höheren Außentemperaturen die Erwärmung der Laborräume zusätzlich zur Prozesswärme von Labor- und Kühlgeräten, die einen höheren Bedarf an Belüftung hervorrufen, vermindert werden kann.

Bei der Betrachtung des Stromverbrauchs wurde besonders auf die Energieeffizienz der Anlagen und Geräte geachtet, um die Umwelt zu entlasten und Kosten zu sparen. In den Fakultätenblöcken machte die Beleuchtung im Wintersemester fast die Hälfte des Gesamtstromverbrauchs aus. Zur Verbesserung der Energieeffizienz sollten die alten Leuchtstoffeinheiten ersetzt werden durch Rasterleuchten, die Flure mit Bewegungsmeldern ausgestattet und die Beleuchtung der Bibliotheken energetisch optimiert werden. Besonders in den Bibliotheken der Fakultätenblöcke gibt es Interessenskonflikte zwischen Nutzer und Umweltschutz. Erhebungen ergaben, dass bei voller Beleuchtung bis zu 18.000 W in der Stunde für eine Bibliothek verbraucht werden. Diese Zahl sollte auch uneinsichtige Nutzer zu mehr Umweltbewusstsein sensibilisieren.

Im Bereich der Büro- und Kommunikationsgeräten ist das Einrichten von zentralen Druckerstationen mit netzwerkfähigen Multifunktionsgeräten zu favorisieren, wodurch weniger Geräte im Standby-Modus laufen, geringere Kosten für den Einzelarbeitsplatz entstehen und wesentlich weniger „Elektronikschrott“ anfällt. Solche Geräte haben einen doppelten Password-Schutz für vertrauliche Dokumente. Im Büro müssen die Mitarbeiter auf die „stillen Verbraucher“ im Büro sensibilisiert werden, z.B. alle Geräte über Nacht und am Wochenende vom Netz zu nehmen.

Im Laborbereich gibt es bezüglich des Stromverbauchs drei Hauptverbraucher: Laborgeräte bzw. –anlagen, Kühlung sowie Laborklimatechnik. Zur Verbesserung der Energieeffizienz ist es wichtig, im Standby-Modus betriebene Laborgeräte sowie Digistorien müssen über Nacht und am Wochenende abzustellen. Intubatoren bzw. Wärmeschränke, die einen hohen Energiebedarf haben, sollten möglichst mit voller Auslastung gefahren werden. Bezüglich der Kühlung wurde vorgeschlagen, zu prüfen, ob eine zentrales Kühlsystem umsetzbar wäre, da der hohe Anteil an Kühl- und Gefriergeräten durch Abgabe von Prozesswärme zu höheren Bedarf an Belüftung führt. Außerdem sollte die Auslastung der großen Kühlräume optimiert werden. Für den Laborbereich ist die Festlegung von Umweltverantwortlichen unverzichtbar.

Zur Verringerung des Wasserverbrauchs ist in den Fakultätenblöcken eine Sanierung des Sanitärbereichs (incl. Wasserspartasten) bereits geplant. Die Anzahl der Wasseranschlüsse auf den Etagen sollten in Bezug auf Serviceaufwand und Wasserschäden verringert werden.

Für eine nachhaltige Entwicklung muss das Bewusstsein für Umweltschutz in der CAU gestärkt werden: Dazu gehört die Übertragung von mehr Eigenverantwortlichkeit (z.B. Zugang zu Information über Energieverbrauch, „Energiekonten“) und der Aufbau einer umweltschutzorientierten Organisationsstruktur mit Koordinationsstelle für Umweltschutz. Eine Nachhaltigkeit im Umweltschutz kann letztendlich durch die Einführung eines Umweltmanagementsystems gesichert werden.

Annegret Erb

Dr. Annegret Erb

Umweltbetriebsprüferin
Ökoauditorin (TÜV)
Qualitätsmanagement-
beauftragte (DGQ)
mail [at] uniaudit.de

Bei Interesse kann der gesamte Projektbericht als PDF-Datei (6MB) abgeladen werden.

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